Deutschland: Jahre vergehen, aber es gibt Schocks für syrische Flüchtlinge

Laut der Psychologin Maria Brochskova “kommt es selten vor, dass eine Person das Gefühl der Sicherheit bekommt, auf das sie so lange gewartet hat.”

Millionen Syrer haben seit Kriegsbeginn vor 10 Jahren Zuflucht in Deutschland gesucht. Für viele ist es jedoch nicht möglich, die Gräueltaten während des Konflikts und der erzwungenen Abschiebung auf den Kopf zu stellen.

Maria Brochaskova ist Psychiaterin in Berlin. Experte für die Arbeit mit Kriegsüberlebenden und Folteropfern. Er beantwortet Fragen zu InfoMigrants.

Information Einwanderer: Was ist der Hauptgrund für die psychischen Probleme syrischer Flüchtlinge in Deutschland?

Maria Brochaskova: Die Menschen verhalten sich sehr individuell zu den Umständen, wenn sie einmal in Deutschland sind, ändern sich ihre Schwierigkeiten im Laufe der Zeit. Zum Beispiel waren es zunächst der Mangel an Privatsphäre und die Belastung durch Verwaltungsaufgaben, die große Hindernisse für Flüchtlinge darstellten.

Das Selbstwertgefühl leidet, was die Integration sehr schwierig macht. Es ist selten, dass eine Person das Gefühl der Sicherheit bekommt, auf das sie so lange gewartet hat. Im Gegenteil, die plötzliche Stille nach dem Verlassen Syriens bringt eine Flut schrecklicher Erinnerungen mit sich. Was einige Flüchtlinge erlebt haben, ist unvorstellbar.

Schließlich kann die Konfrontation mit Rassismus im Alltag in Deutschland einen weiteren Stressor verursachen.

IM: Was sind die psychologischen Folgen einer Familientrennung? Was sind die Folgen des ständigen Flusses von schlechten Nachrichten und Zerstörungsbildern aus Syrien?

MP: Die Effekte werden sehr unterschiedlich sein. Angst, Anspannung, Distanziertheit, Scham, Schuldgefühle, Hilflosigkeit oder sogar Traurigkeit sind die verständlichsten Reaktionen in dieser Situation.

Familie ist eine wichtige Ressource. Bedenken und Verantwortlichkeiten werden nur innerhalb der Familienstruktur geteilt. Aber wenn eine Person hier alleine lebt, findet sie diese wichtige Unterstützung nicht.

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Andererseits kann die Unsicherheit über die Sicherheit von Angehörigen im Heimatland so lähmend sein, dass das Wohlergehen und die Entwicklung eines Menschen in Deutschland zu einem zweitrangigen Anliegen werden.

IM: Wer ist am stärksten von psychischen Störungen betroffen? Mütter, Jugendliche, Arbeitslose …?

MP: Alle Gruppen sind unterschiedlichen Arten von Stress ausgesetzt. Die Einreise nach Deutschland geht oft mit einem völligen Personenwechsel einher.

Kinder lernen die neue Sprache oft schneller als Erwachsene und übernehmen dann einige ihrer Rollen. Dies wird als „Elternschaft“ bezeichnet und ist eine Belastung für alle Beteiligten. Selbst wenn Kinder ihre Kindheit verlieren, erleben Eltern Schuld und Scham.

Mütter haben ihrerseits kein reguläres Unterstützungsnetzwerk. Ihrer Meinung nach erlaubt die Betreuung von Kindern keine persönliche Entwicklung.

Männer leiden häufig unter dem Verlust ihres Status, insbesondere wenn sie nicht arbeiten können. Arbeitslosigkeit wirkt sich negativ auf den täglichen Rhythmusverlust und das Selbstwertgefühl aus.

IM: Nach welchen Techniken suchen Sie bei Flüchtlingen, um mit diesen Problemen umzugehen?

MP: In der Psychotherapie sprechen wir über „funktionale“ und „passive“ Anpassungsstrategien. Beides kann hilfreich sein, aber die Auswirkungen passiver Strategien haben langfristige negative Folgen. Die meisten Menschen gehen selbstständig mit ihren Problemen um, kümmern sich um sich selbst und ihre Angehörigen, studieren, arbeiten und verfolgen verschiedene Interessen.

Eine Strategie, die in der Vergangenheit erfolgreich war, kann jedoch in einer neuen Situation angewendet werden, und es kann Zeit sein, zu reagieren. Zum Beispiel ist Misstrauen gegenüber anderen eine wichtige Strategie, wenn Sie von einem Regime verfolgt werden. Aber im neuen Land führt dieses tiefe Misstrauen gegenüber anderen zu Einsamkeit und Einsamkeit.

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IM: Wird der Zugang zu einem Psychiater als schwach angesehen? Verhindern Faktoren wie Zeitmangel oder Depressionen den Zugang zur Behandlung?

MP: Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist es, den Menschen verständlich zu machen, dass Sie sich auch um die Entscheidung kümmern möchten, einen Psychiater aufzusuchen. Psychotherapie ist die wichtigste lebensbejahende Entscheidung.

Natürlich sind Gefühle der Hoffnungslosigkeit, des geringen Selbstwertgefühls oder des Energiemangels bei Depressionen häufig und verhindern, dass Menschen Hilfe suchen. Es gibt Hindernisse für die Suche nach Psychotherapie-Terminen, die selten in der richtigen Sprache innerhalb des richtigen Zeitrahmens verfügbar sind.

IM: Welche Auswirkungen haben psychische Gesundheitsprobleme auf die Fähigkeit der Menschen, ihre neue Gemeinschaft zu etablieren, zu akzeptieren und zu akzeptieren?

MP: Wenn psychische Gesundheitsprobleme nur von kurzer Dauer sind und das Unterstützungssystem angemessen ist, können Menschen leicht behandelt werden, wenn sie über mehr Ressourcen und weniger Probleme verfügen.

Das Gegenteil kann einen „Depressionszyklus“ auslösen. So kann eine Schlafstörung eine Person müde machen und sie tagsüber beeinträchtigen. Infolgedessen besteht die Tendenz, sich selbst zu scheuen und sich zu schämen, nichts tun zu können. Wenn sich eine Person zurückzieht und keinen Kontakt zu anderen hat, haben sie Zeit, sich Sorgen zu machen, sich zu entspannen, sich einsam zu fühlen und zu denken, dass andere sie nicht mögen oder dass sie sie nicht brauchen. ‘

Sie ist so müde von allem, sie hat nicht den Mut oder die Kraft, mit kleinen Dingen umzugehen, sie kann wieder auf die Spur kommen und aus dem Strudel der Depression herauskommen. Depressionen sind die schlechteste Grundlage für den Versuch, einen Neuanfang zu machen und von anderen zu akzeptieren. Aufgrund von Depressionen fühlen sich die Menschen einsam und isoliert von ihrem sozialen Umfeld.

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Maria Brochaskova arbeitet Zentrum ÜBERLEBEN In Berlin ein Zentrum, das sich auf die Unterstützung von Kriegsüberlebenden und Folteropfern spezialisiert hat.

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