Eine Gegenuntersuchung zur Geschichte eines seltsamen Serienmörders

KUNST – Mi, 17. Februar, 23.45 Uhr – Dokumentarfilm

Viele Jahre lang galt er als der größte Serienmörder, den Deutschland jemals gekannt hatte. Bruno Ludicky (1908-1944) übernahm die Verantwortung für die mehr als 80 Morde im ganzen Land und wurde in den Augen der öffentlichen Meinung zu einer außergewöhnlichen Persönlichkeit.

Er verbrachte Rechtsgeschichte im nationalsozialistischen Deutschland und inspirierte den Nachkriegsjournalismus (Artikel veröffentlicht im März 1950 in Spiegel Ich spreche von einem Mann, der aussieht wie “Riesengorilla”Und vor allem ein großer Filmregisseur wie Robert Ciudmak, der Ludkey (gespielt von Mario Adorf) 1957 in seinem Spielfilm mit dem Titel ein Monster schenkte SS-Überfall in der Nacht.

Im nationalsozialistischen Deutschland ist Bruno Lodcke das perfekte Meerschweinchen für forensische Biologen

Der 1908 geborene Bruno Ludcke wuchs in Berlin auf, war geistig behindert und verließ die Schule im Alter von 14 Jahren. Er wird Fahrer und übernimmt die Polizei für eine Reihe von Raubüberfällen. Eine im Juni 1940 durchgeführte psychologische Untersuchung führte zu einer strafrechtlichen Verantwortlichkeit “Dieser Idiot, der stottert, mit einer dummen Figur und einem animalischen Gesichtsausdruck”. Nachdem er gewaltsam sterilisiert worden war, blieb er auf dem Radar der Justizpolizei.

Im nationalsozialistischen Deutschland ist Lüdke der ideale Täter, das ideale Meerschweinchen für forensische Biologen. Mit solch einem Körperbau, solch einem Handicap ist er eindeutig kriminalitätsgefährdet … Als eine ermordete Frau in der Gegend von Kopenick gefunden (erwürgt und dann vergewaltigt) wird, verhaftet die Polizei Lodki erneut. Nach drei Tagen des Verhörs gestand er den Mord mit gemischten Antworten.

Eine spezifische Vision der Welt

Ab April 1943 gestand Lodkey innerhalb weniger Wochen Dutzende anderer Morde. Die Justizpolizei versucht auf Befehl von Nazi Arthur Nebe keine ernsthaften Ermittlungen durchzuführen, und alle seit Jahren ungelösten Morde werden diesem seltsamen Lüdke zugeschrieben. Für die Behörden geht es nicht darum, einen plausiblen Schuldigen in einem Rechtsstreit zu finden, sondern darum, eine bestimmte Vision der Welt zu verteidigen.

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Im Dezember 1943 wurde der einfältige Mann zum kreativen Verbrecher in das neu gegründete Institut für Forensische Medizin in Wien verlegt. Biologen formen seine Hand, seinen Schädel und sein Gesicht. Lüdke stimmt voll und ganz mit der Idee überein, dass die Nationalsozialisten einen Psychopathen haben und im April 1944 durch Gas gestorben sind. Ein unheimliches Beispiel für eine Absprache zwischen Justizverwaltung und Nazi-Logik.

Dieser Dokumentarfilm zeigt eine beeindruckende Gegenuntersuchung. Nach fünfzehnjähriger Recherche in den Polizeiarchiven kamen die Anthropologin Susan Regner und der Historiker Axel Dossman zu dem Schluss, dass Lodkey keines der mutmaßlichen Verbrechen begangen hatte. Vor der Kamera verbirgt Mario Adorf nicht seine Reue, diesem Unschuldigen ein Monster gegeben zu haben. Die Geschichte von Deutschlands größtem Serienmörder war also ein Parodie-Scherz.

Der perfekte Täter: Der Fall von Bruno LodkeyDokumentarfilm von Dominic Wesley und Jeans Baker (Deutschland, 2020, 50 min). Verfügbar bei Wiederholung am Arte.tv Bis zum 23. Februar.

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